Filme

DER ENDLOSE MOMENT

DER UNENDLICHE MOMENT -  DER KÜNSTLER ROLF KUHLMANN, Kino- Dokumentarfilm, 134 Min. Deutschland ©2020
Credits: Buch & Regie: Claudia Schmid; Bildgestaltung: Justyna Feicht; Originaltonmeister: Andy Michaelis; Montage: Nicole Schmeier, Claudia Schmid, 2. Kamera: Beate Scherer; 2. Ton: Ralf Weber; 1. Rohschnitt: Natascha Cartolaro; Digital Imaging Technician: Andy Michaelis; Colour Grading: Dany Schelby; Sound Design: Holger Buff; Tonmischung: Jascha Viehl; Tonstudio: Tonpunktstudio; Produktion: Claudia Schmid / schmidfilm ©2020

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Rolf Kuhlmann ist ein realistischer Maler, der auf eigenwillige - in der heutigen Kunstwelt singuläre - Weise kompromisslos seinen künstlerischen Visionen folgt. In seinen Werken reflektiert der Künstler gesellschaftspolitische Zustände, die er aus vielfältigen Perspektiven betrachtet und deren Ursachen und Zusammenhänge hinterfragt. Kuhlmann lässt in seiner malerisch komplexen Form unterschiedlicher Erzählstränge ein kritisches und zugleich poetisches Panorama entstehen, das unsere Zeit persönlich interpretiert. Claudia Schmid hat den Maler ein Jahr lang mit der Kamera begleitet und die Entstehung zweier großformatiger Doppeltriptychen von den Vorstudien bis hin zu den fertigen Malereien im Atelier dokumentiert.

Für diesen achtteiligen Gemäldezyklus sucht der Künstler Schauplätze in der Natur und Metropole Athen auf, wo er sich kontrastreichen Szenen an historischen Plätzen und Brennpunkten des Zeitgeschehens aussetzt und diese zeichnerisch verarbeitet, um sie später ins Gemälde zu übertragen. Vor dem Hintergrund seiner Bilder verhandelt Kuhlmann Themen wie Demokratie, Identität und Gewalt, Konsum und Verführung, Verdrängung, Flucht und Sterblichkeit und beleuchtet unser ambivalentes Verhältnis zu ihnen. Mit scharfem Blick für den kreativen Prozess erschafft Claudia Schmid ein intimes Portrait jenseits von Künstlerklischees, das auf vielschichtigen dramaturgischen Ebenen sowohl schöpferisches Gelingen als auch heftige Krisen und radikale Umbrüche dokumentiert, denen sich der Künstler mutig und aufrichtig stellt.

Unter aller Augen

UNTER ALLER AUGEN, Kino-Dokumentarfilm, 90 Min., Deutschland © 2017
Credits: Buch & Regie: Claudia Schmid; Kamera: Claudia Schmid; Schnitt: Kawe Vakil; Ton: Bianka Schulze, Heike Frielingsdorf, Julia Hübner, Aidin Salkhi; Produzentin: Birgit Schulz; Producerin: Monika Mack; Produktionsleitung: Rolf Bremenkamp; Redaktion: Andrea Ernst/WDR, Angelika Wagner/WDR, Barbara Denz/NDR. Eine Bildersturm Filmproduktion in Koproduktion mit WDR und NDR; Verleih: mindjazz pictures. Drehbuch- und Produktionsförderung der Film- und Medienstiftung NRW.

"Jetzt hat mich meine Familie in einen feurigen See geworfen und ich verbrenne im Feuer“ ... Minara, Bangladesch
"Meine Mutter sagte: Du weißt, dass es hier nicht gestattet ist, Familienangehörige bei der Polizei anzuklagen..." Yolande, Benin
"Ja, meine Kinder lachten über mich, gingen mir aus dem Weg und sagten: “Sie ist kein Mensch mehr”, und ich mied sie und weinte." Nakatya, DR Kongo
"Das ist das, was ich so tragisch finde, die Gewalt geht einfach weiter – über die Generationen geht’s einfach weiter... " Maya, Deutschland

Asien, Afrika, Europa – in Benin, in Bangladesch, in der DR Kongo, aber auch mitten in Deutschland: Gewalt an Frauen ist allgegenwärtig. UNTER ALLER AUGEN taucht ein in die Lebenswelt von Frauen, die schlimmster Gewalt ausgesetzt waren und die sich frei gekämpft haben. Sie erzählen von der Gewalt, die ihnen angetan wurde, ihrem Kampf ums Überleben, ihren Ängsten und Hoffnungen und ihren aktuellen Versuchen, ein neues Leben jenseits der Gewalt aufzubauen. Sie haben Initiative ergriffen, sich trotz großer Gefahr zur Wehr gesetzt.

VOICES OF VIOLENCE - DR KONGO

VOICES OF VIOLENCE, Kino-Dokumentarfilm, 90 Min.; Deutschland © 2016
Credits: Buch & Regie: Claudia Schmid; Kamera: Claudia Schmid; Schnitt: Kawe Vakil; Produzentin: Birgit Schulz; Produktionsleitung: Monika Mack und Rolf Bremenkamp. Eine Produktion der Bildersturm Filmproduktion, ©Claudia Schmid / schmidfilm 2016

  • Voices of Violence
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Voices of Violence ist ein Film über die unvorstellbare Gewalt gegen Frauen in der DR Kongo und das politische und gesellschaftliche System, das diese Grausamkeiten zulässt. In dem Land, in dem Frauen auf besonders grausame Weise der systematischen Vergewaltigung als Kriegswaffe ausgesetzt sind, gibt Claudia Schmid völlig unbekannten Frauen eine Stimme und zeigt auf, wie die Strukturen der Gewalt in all ihren Facetten funktionieren.

Richard Deacon - In Between

RICHARD DEACON - IN BETWEEN, Kino-Dokumentarfilm 90 Min., Deutschland © 2012
Credits: Buch & Regie: Claudia Schmid; Kamera: Andreas Köhler; Ton: Tim Pattberg; Schnitt: Kawe Vakil; Redaktion: Reinhard Wulf; Produktion: Birgit Schulz. Eine Bildersturm Filmproduktion in Koproduktion mit 3sat / WDR. Gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW.

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Der Brite Richard Deacon gehört neben Richard Serra und Richard Long zu den bedeutendsten Bildhauern der Gegenwartskunst. Seine existenzielle Auseinandersetzung mit Raum und Form ermöglicht eine grundlegend neue Blickweise. Entscheidend ist sein physischer Umgang mit den verschiedensten Materialien. Seine wellenförmig geschwungenen Skulpturen mit ihren rhythmischen Verflechtungen oder die biomorph anmutenden Raumkörper zählen zu den vielschichtigsten Werken der modernen Bildhauerei.

Claudia Schmid begleitet den Künstler über einen längeren Zeitraum während verschiedener Phasen seines Schaffensprozesses - sowohl in seinem Atelier und den material-spezifischen Werkstätten in London und Köln, bei der Ideenfindung, bei der Herstellung seiner Modelle für Holz- Stahl-oder Kunststoffskulpturen, als auch bei der Realisierung seiner großformatigen Arbeiten und der Vor-Ort-Installation im Straßburger und Hamburger Museum, in der Lisson Galerie, London, dem Piccadilly Circus und dem Louis Vuitton Flagship in Singapur. In der Verbindung von filmischer Beobachtung und Gesprächen über Kunst, Philosophie, Politik und Gesellschaft entsteht ein dichtes Portrait über einen der spannendsten Künstler der Moderne.

Die Stille der Unschuld

DIE STILLE DER UNSCHULD - DER KÜNSTLER GOTTFRIED HELNWEIN, Kino-Dokumentarfilm, 116 Min., Deutschland © 2009
Buch & Regie: Claudia Schmid; Kamera: Susu Grunenberg; Ton: Jens Krähnke;  Schnitt: Kawe Vakil; Mischung: Christof Glade; Farbkorrektur: Dany Schelby; Untertitel: Ralph Sikau, Parabol Pictures; Produzentin: Birgit Schulz; Produktionsleitung: Monika Mack; Redaktion: Reinhard Wulf. Eine Bildersturm Filmproduktion in Co-Produktion mit WDR/3sat; Gefördert durch die Film- und Medienstiftung NRW. Verleih: MFA+ 

  • Die Stille der Unschuld
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Seit über 30 Jahren ist Gottfried Helnwein einer bekanntesten und zugleich einer der umstrittensten deutschsprachigen Künstler der Nachkriegszeit. Seine Arbeiten sind begehrt bei den renommiertesten Museen der Welt und seine Ausstellungen erzielen die höchsten Besucherzahlen. Mit seinen hyperrealistischen Darstellungen gequälter Mädchen aus den 70er Jahren bis hin zu den Malereien und Fotografien von heute schockiert, fasziniert und berührt er ein weltweites Publikum.

Gottfried Helnwein ist ein Künstler klarer Aussagen, ungezügelt und eigenwillig. Er konfrontiert die Betrachter fast immer mit den dunklen Seiten menschlicher Natur, der Manifestation von Gewalt und Macht. Sein zentrales Thema ist das Kind als verletztes und misshandeltes Wesen. Der Künstler führt uns die Leidensfähigkeit des Menschen am Schicksal des Kindes vor Augen und macht den Betrachter zum Mitwissenden und Mittäter. In seinen Selbstbildnissen stellt er den Künstler als einen mit dem Kind verbündeten Märtyrer dar. Seine Bilder dringen ins Unterbewusstsein und rufen die individuellen Schreckensbilder der eigenen und der kollektiven Geschichte wach. Der Betrachtende kann sich kaum der Faszination entziehen, die von der Detailgenauigkeit der Fotografie in Verbindung mit dem inneren Leuchten altmeisterlicher Malerei herrührt.

Die Gezeichnete Welt

DIE GEZEICHNETE WELT - DER KÜNSTLER HEINZ EMIGHOLZ, Dokumentarfilm, 64 Min. WDR/3sat © 2009
Credits: Buch & Regie: Claudia Schmid; Kamera: Susu Grunenberg; Ton: Ivonne Gärber, Oliver Lumpe; Schnitt: Oliver Held; Mischung: Imke Bartmann; Redaktion: Reinhard Wulf. 

„Normalerweise gibt es die Zweiwertlogik und Kausalität, die Ursache und Wirkung. Das sind so einfache Beziehungen, die ich ziemlich krude finde und die mich nicht besonders interessieren. Es gibt aber auch ganz gewiss eine Mehrwertlogik, indem auch die Erinnerungsarbeit und Denkarbeit eingebaut wird und die reale Situation sich zusammenfügt. Und das ist eine Logik, die komplex ist, und die mich interessiert.“ Heinz Emigholz

Schon immer haben mich Künstler interessiert, die sich tiefgreifend mit dem Wesen der Kunst und ihren Gestaltungsmöglichkeiten auseinandersetzen und solitäre Positionen in der Kunstwelt einnehmen. Als ich zum ersten Mal die „Sense of Architecture“  Filme von Heinz Emigholz sah, war ich von der Intensität und Eigenwilligkeit seiner Bildsprache fasziniert. Ich besuchte im Jahr 2008 die Ausstellung „Die Basis des Make-Up“ im Museum „Hamburger Bahnhof“, lernte Heinz Emigholz persönlich kennen und tauchte in sein vielschichtiges Werk ein. Von der ersten Sekunde an fühlte ich mich seinem Denken, seiner künstlerischen Herangehensweise und seinen Arbeiten verbunden. Die Kombination aus glasklarem analytischem Denken, Sensibilität und unverschnörkelter Poesie hat mich sofort beeindruckt.

Wie kaum ein Künstler hat sich Heinz Emigholz sein Leben lang immer wieder neu mit den Möglichkeiten und Gestaltungsebenen von Film und Bildfläche in Raum und Zeit auseinandergesetzt. Ihn interessieren Gedankenräume und das Verhältnis von realem und projiziertem Raum. Dabei ist das wichtigste Denk-Organ immer das Auge, diese Schnittstelle zwischen Welt und Gehirn.

Natur in Flaschen

NATUR IN FLASCHEN - DIE QUELLEN VON SPA, 45 Min. WDR/arte, Deutschland © 2007
Credits: Buch & Regie: Claudia Schmid; Kamera: Dieter Stürmer; Ton: Ute Haverkämper; Schnitt: Daniela Thiel; Produktionsleitung: Monika Mack; Produzentin: Sabine Müller; Redaktion: Andrea Ernst. Eine Bildersturm Filmproduktion im Auftrag von WDR/arte

Das kleine Städtchen Spa liegt im wallonischen Teil von Belgien, mitten in den Ardennen: ein Kurort mit 500 Jahren Tradition. Etwas außerhalb, im Hohen Venn mit seinen Grasteppichen, mit Tümpeln und Mooren, in der „Fagne de Malchamps“, beginnt die Geschichte des außergewöhnlichen Mineralwassers von Spa.
Oft versinkt die Landschaft hier in tiefem Nebel. Es regnet extrem viel und oft, gleichzeitig ist die Verdunstung sehr gering. Dies sind entscheidende Faktoren für das Versickern und die effektive Reinigung des Wassers – in einem einzigartigen, alten Biotop. 300 Quellen befinden sich in und um Spa herum, deren Qualität bis heute unverändert rein geblieben ist.

Die Firma Spa Monopol nutzt sie für die Herstellung von Trinkwasser: 500 Millionen Liter werden pro Jahr in Flaschen gefüllt. Aber auch das neue Thermalbad wird mit diesem besonderen Wasser versorgt.
Der Film begleitet den Hydrogeologen Patrick Jobé durch die Wälder zu den Quellen und zum Hochmoor der „Fagne de Malchamps“ bis zur Abfüllanlage für das kostbare Trinkwasser.

Gefährliche Idylle zwischen Maas und Waal

GEFÄHRLICHE IDYLLE ZWISCHEN MAAS UND WAAL, Dokumentation, 26 Min. WDR/arte, Deutschland © 2006
Credits: Buch & Regie: Claudia Schmid; Kamera: Oliver Vogt; Ton: Ute Haverkämper; Schnitt: Monika Grüter; Sprecher: Frau Greve, Herr Müller, Herr Levin. Eine Bildersturm Filmproduktion im Auftrag von WDR/arte

"Das grüne Herz" – so nennen die Niederländer eine Polder–Region, die von den Flüssen Waal und Maas begrenzt wird, die tief im Inneren des Landes in der Nähe von Nijmwegen liegt und trotzdem überschwemmungsgefährdet ist. Im Februar 1995 mussten hier wegen eines drohenden Deichdurchbruches, sämtliche Einwohner vorsorglich evakuiert werden. Der Pegel in den Flüssen Waal und Maas war so extrem hoch angestiegen, dass eine vollständige Überflutung der ganzen Region mit einem Wasserstand bis zu fünf Metern nicht mehr auszuschließen war.

Denn auch wenn diese Wasserlandschaft mit ihren satten Schafsweiden und strohgedeckten Häusern harmlos idyllisch anmutet, birgt sie doch bei jedem kräftig anhaltenden Regen und bei Stürmen in sich die Gefahr, überschwemmt zu werden. Hier an einem See bei Appeltern, der durch die Überflutung der Maas über die Jahre entstanden ist, lebt Adri van Ooijen mit seiner Familie.

Die Autorin Claudia Schmid begleitet Adri durch die Region und besucht mit ihm seine zwei Brüder Gerald und Pieter: Alle drei Lebensläufe werden auf unterschiedliche Weise vom Wasser geprägt und alle drei Brüder gehen damit äußerst kreativ um: Adri selbst hat Häuser entworfen und gebaut, die den Überflutungen standhalten. Wenn das Wasser zu steigen anfängt, treibt das Haus bis zu fünf Metern auf. Seine Häuser stehen – nicht wie sonst hinter, sondern vor dem Deich. Außerdem betreibt Adri einen Campingplatz, der rundum vom Wasser umschlossen ist.

Sein Bruder Gerald lebt von Fischteichen, in die er pro Woche 4000 Forellen aussetzt um dann die Fischplätze an Angler zu vermieten. Geralds Teiche werden im Jahr von rund 30.000 Hobbyfischern besucht. Der dritte Bruder Pieter hat ein Haus auf Pfählen in die Luft gebaut, ein traumhaft schönes Beispiel moderner Architektur.

Parallel zu den persönlichen Lebensgeschichten entschlüsselt der Film, wie die Wasserlandschaft und ihre Regulatoren funktionieren. Wir lernen eine alte Pumpstation kennen, in der Dampfmaschinen befeuert werden mussten, bevor die Pumpen Wasser aus Überflutungsgebieten fortpumpen konnten und wir besuchen eine imposante Hightech gesteuerte Schleuse, mit Hilfe derer Schiffe die Höhenunterschiede zwischen den Gewässern ausgleichen können.

Liebesversuche

LIEBESVERSUCHE - WERNER SCHROETER, Dokumentarfilm, 65 Min., WDR/arte, Deutschland © 2002
Credits: Buch & Regie: Claudia Schmid, Birgit Schulz; Kamera: Dieter Stürmer; Ton: Til Butenschön; Schnitt: Bettina Strunk; Redaktion: Sabine Rollberg. Eine Bildersturm Filmproduktion im Auftrag von WDR/arte

Schüchtern und gleichzeitig provokant. Sein starker Blick verrät die Intensität seiner Lebenshaltung. Er gilt als unangepasst, bildstark, politisch konsequent und liebt die großen Gefühle. Immer schwarz gekleidet mit Neigung zu dramatischer Selbstinszenierung und zum Kitsch. Ein bewusster Exzentriker, der Grenzüberschreitungen liebt und in die Fülle des Lebens mit all seinen Abgründen taucht:

Werner Schroeter, 58 Jahre alt, Theater-, Film-, und Opernregisseur. Schon Ende der 60er Jahre fällt er durch seine experimentellen und kompromisslosen Filme auf, in denen er triviale Elemente mit intellektuellen verbindet. Arbeiten, die sich nur einem kleinen Publikum erschließen. In dieser Zeit bewegt er sich in den Kreisen um Rainer Werner Fassbinder, Rosa von Praunheim und Ingrid Caven.

Liebe, Gewalt, und Tod bewegen Werner Schroeter. Es ist eine Poesie des Unnahbaren, des Nicht-Zueinander-Findens, die in seinen Arbeiten mitklingt. Seine Filme und Theaterinszenierungen sind stark von einer Liebe zur Opernmusik bestimmt. Große Gesten, der dramatische Ausdruck einer Stummfilmästhetik durchziehen seine Bildwelt. Phantasie ist Widerstand.

Im Leben wie in der Arbeit ist für Schroeter der Tod ein zentraler Dreh- und Angelpunkt: „In meiner Umgebung sterben die Leute wie die Fliegen. Das kommt wohl daher, dass ich nur von Gefährdeten umgeben bin.“

Werner Schroeter ist ein intensiver Denker, dessen Körper immer wieder schattenhaft zurücktritt. Er ist ein äußerst sprachbegabter Weltbürger, der sich in Italien, Frankreich, Portugal, Mexiko heimischer fühlt als in Deutschland. Bei uns werden seine Inszenierungen als Insidertipp gehandelt.

Ein Jahr lang begleiten Claudia Schmid und Birgit Schulz den Regisseur. Der Film nähert sich dieser komplexen Figur sowohl privat als auch in der Arbeit an. Er erforscht, was Werner Schroeter bewegt und wovor er glaubt, fliehen zu müssen, lotet seine Abgründe aus, zeigt seine Ruhelosigkeit und vermittelt einen Einstieg in sein künstlerisches Werk.

„Den menschlichen Ausdruck zu retten ist so wichtig wie das menschliche Leben. Sonst werden die Leute zu Berserkern.“

Neben Schroeter stellt der Film Künstler vor, mit denen er seit vielen Jahren eng zusammenarbeitet und deren ebenfalls eigenwillige Arbeiten er mit seinen Ideen verknüpft. So entsteht eine Art Zwiesprache zwischen Werner Schroeter, der Kamerafrau Elfi Mikesch, seiner langjährigen Bühnen- und Kostümbildnerin Alberte Barsacq, seiner Freundin Zazie de Paris, seiner Dramaturgin Monika Keppler, sowie der Schauspielerin, mit der er am radikalsten arbeiten kann: Isabelle Huppert.

KÖNIGSKINDER

KÖNIGSKINDER - ROMY SCHNEIDER & ELIZABETH VON ÖSTERREICH, Dokumentarfilm 45 Min., WDR, Deutschland © 1998
Credits: Buch & Regie: Birgit Schulz; Co-Regie: Claudia Schmid; Kamera: Andreas Fiegel; Schnitt: Cornelia Zaluskovsky; Redakton: Andrea Ernst.

1854 wurde die bayrische Prinzessin Elisabeth in Wien zur Kaiserin gekrönt. Von diesem Moment an projizierten die Österreicher in die 16jährige glücksbringende, fast religiöse Eigenschaften. In einer Zeit, in der der absolutistische Monarch das Gedankengut der Bürgerdemokratie brutal unterdrückte, war die Figur Elisabeth von Anfang an ein Hoffnungsträger. Die Realität der von Stund' an isolierten Frau wurde öffentlich nicht wahrgenommen. Der Mythos um Kaiserin Elisabeth von Österreich wurde in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts noch einmal gezielt eingesetzt: Die drei Sissi–Filme mit Romy Schneider in der Hauptrolle trafen in den harten Nachkriegsjahren den Nerv der Zeit. Wieder wird eine Heranwachsende – diesmal Romy Schneider– das Mittel zweier Völker zum Tagtraum; wird dem Kinopublikum in der zuckersüßen Geschichtsverfälschung eine Heilsbringerin angeboten, um von der verlorenen eigenen Identität abzulenken. Der Mythos von Elisabeth nimmt erneut Gestalt an, ein verfälschter Mythos, von dem sich Romy Schneider ein Leben lang nicht befreien kann.

Der Film analysiert die Struktur der Projektionen mit teilweise brutalen Folgen für die beiden Frauen und zeigt den Kontrast zu den realen Personen auf. Beleuchtet werden die Ausbruchversuche der beiden Frauen und die öffentlichen Sanktionen, die diese nach sich ziehen. Warum weder Elisabeth von Österreich noch Romy Schneider kaum eine Chance hatten, ihrem eigenen Bild zu entfliehen, wird psychologisch begründet.

Die einleitende Montage lässt die Realbilder der Frauen in Marischkas Filmbild der Sissi–Figur verschmelzen. Romy ist Sissi, ist Elisabeth – so die Wahrnehmung in den 50er Jahren. Im ersten Kapitel befasst sich der Film mit den Initiationsstrukturen, die zum Idol prädistinieren: Kindliche Unschuld, Reinheit, Schönheit und Naivität. Probleme, die die öffentliche Rolle mit sich bringt, werden im nächsten Schritt thematisiert: Anfangszeiten, die die Grundlage für künftige Ausbruchsversuche legen und Suchtstrukturen schaffen. Ihre radikale Abwehr gegen die öffentliche Festlegung nimmt den Raum der dritten Sequenz ein. Darauf folgt die Darstellung der Rastlosigkeit beiden Frauen und deren tragische Unfähigkeit einen Ruhepol in sich selbst zu finden.

Das vorletzte Kapitel diskutiert den Tod als Bestandteil des Mythos. Die Unsterblichkeit des Sissi-Mythos schließt mit dem letzten Kapitel den Film, der Elisabeth von Österreich und Romy Schneider am Ende wieder in der Sissi–Figur verschmelzen lässt.

© 2020 CLAUDIA SCHMID Alle Rechte vorbehalten.