Filmvorführung für die Frauen in Walungo, DR Kongo - 1 Jahr nach der deutschen Filmpremiere

Ein Jahr nach der Filmpremiere habe ich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Menschen aus Walungo, die bei den Dreharbeiten mitgewirkt haben, meinen Film "Voices of Violence" zu zeigen. Ich wollte mit dem Screening den Frauen, die mir ihr Vertrauen geschenkt und zum ersten Mal ihre traumatischen Lebensgeschichten vor der Kamera erzählt haben, ein Zeichen der Achtung und des Dankes entgegen bringen. Ich bin von ihrem Mut, ihrem Lebenswillen und ihrer Kraft zutiefst beeindruckt und habe sie alle während der Dreharbeiten in mein Herz geschlossen. Abgesehen davon wollte ich noch einmal in die DR Kongo reisen, um mich zu vergewissern, ob das gesammelte Geld wirklich bei diesen Simama-Frauen angekommen ist und wie sich ihr Leben durch die Spenden, die parallel zum Film eingenommen wurden, verändert hat.

Ich begann in Köln mit den filmtechnischen Vorbereitungen und der Vor-Ort-Organisation im Ostkongo für die Filmvorführung. Mit Hilfe von Therese Mema Mapenzi konnte ich den kirchlichen Gemeindesaal des kleinen benachbarten Ortes Walungo für mein Vorhaben gewinnen und alles bis zu meiner Ankunft in Bukavu vorbereiten. Mit dem Film auf Festplatte, einer flexiblen großen Leinwand, einer powervollen Audioanlage und einem lichtstarken Beamer im Gepäck flog ich nach Burundi, fuhr über die Grenze nach Bukavu und später mit Therese Mema Mapenzi weiter nach Walungo. Das Wiedersehen war eine große Freunde und die Filmvorführung ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Ich habe die Frauen kaum wiedererkannt, weil sie so verändert aussahen - gut genährt, lachend, kraftvoll mit neu gewonnenem Selbstvertrauen.

Während der Vorführung beobachtete ich im Halbdunkel ihre ausdrucksstarken Gesichter. Sie waren neugierig auf den Film und  aufgeregt, wie sie und ihre Geschichten auf der Leinwand wohl herüberkommen. Ich sah, dass sie konzentriert zuhörten und voller Stolz Wort für Wort in sich aufnahmen. Ich hoffte inständig, dass der Film ihnen und ihren Geschichten gerecht wird und sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.

Der Film gefiel ihnen in seiner Radikalität. Sie fanden es toll, dass ihre Aussagen von mir nicht "glatt gebügelt" und die äußerst brutalen Geschichten im Rebellenlager nicht weggelassen wurden. Es war ihnen sehr wichtig, dass die Welt unverblümt das Ausmaß dieser Gräueltaten erfährt - das hatten sie mir vor den Dreharbeiten eindringlich gesagt. Aber sie waren während der Vorführung auch nachdenklich und betroffen gestimmt, weil sie noch einmal auf der Leinwand miterlebten, was sie alles durchgemacht hatten und ihnen bewusst wurde, wie krank, beschämt und hoffnungslos sie sich noch vor 2,5 Jahren fühlten. Nach der Vorführung war zunächst einige Minuten lang Stille. Aber dann sprangen sie freudig zu mir auf das Podest, umarmten und umtanzten mich, warfen mich in die Luft und zeigten mir lachend glücklich ihre Anerkennung und Dankbarkeit.  

Am nächsten Tag habe ich die Frauen in ihren Lehmhütten besucht und mir angeschaut, wie sie heute leben und was sich durch die Spendenaktionen, die ich parallel zum Film gestartet habe, verbessert hat. Ihre Hütten waren repariert, die Kinder gingen zur Schule, die Frauen bewirtschafteten ein bisschen Land und züchteten Ziegen und Meerschweinchen. Auch wenn ich denke, dass ein Teil der Gelder nicht bei diesen Frauen direkt angekommen ist, so wurde doch die Arbeit der kirchlichen Trauma-Zentren in den Distrikten des Ostkongos und die Frauen der verschiedenen Simama-Gruppen finanziell unterstützt.

Credits:
Idee & Umsetzung: Claudia Schmid
Fotos: Claudia Schmid